Laptop abgeraucht!

4. April 2007

So liebe Leute. Ob ihr es glauben wollt oder nicht: Mir ist gestern der Laptop in Arsch gegangen. Das bedeutet also nun: Kein Internet, keine E-Mails, kein Blog – gebe zu, der wurde eh nur noch stiefmütterlich behandelt -, kein Skype, kein gar nichts.

Ich muss jetzt also immer in die Uni latschen, um wenigstens das Nötigste zu erledigen. Gleichzeitig wird einem dadurch direkt vor Augen geführt, wie abhängig man doch inzwischen von diesen Dingern geworden ist.

Gestern also kam aus den Nichts nur noch ein weißer, hell leuchtender Bildschirm. Nach einem Kaltstart funktionierten nicht mehr der Sound und auch die USB-Ports waren nicht mehr zu gebrauchen. Außerdem hat Windows dauerhaft mit dieser Fehlermeldung genervt, ich hätte ein USB-Gerät angeschlossen, dass die Spannungsgrenzewerte überschritten hätte. Ich solle diese doch bitte trennen und den USB-Port zurücksetzen. Mehrmaliges Wiederholen brachte keinen Erfolg. So entschied ich mich die Treiber zu Deinstallieren und Windows neuzustarten, um beim erneuten Hochfahren die Ports neu zu installieren.

Doch statt Hochfahren kam gar nichts, schwarzer Bildschirm. Nicht einmal das BIOS zu sehen.

So bin ich heute zur „Geek Squad“ gefahren, um zu schauen, wie geeky die Jungs sind. Nun um es kurz zu machen. DAs Main Board ist kaputt. Hatte ich auch schon selbst vermutet, allerdings wollte ich die Hoffnung nicht aufgeben. Ersetzen: Einige hundert Dollar. Der Geek hat mir dann auch gleich empfohlen einen neuen Laptop zu kaufen. So bin ich jetzt drauf und dran zu überlegen, ob ich mir nicht doch jetzt schon einen Apple zulegen soll. Die Entscheidung, dass mein nächster Computer ein Mac sein wird, stand ja schon lange fest. Nur wollte ich eigentlich noch warten, bis das neue OS von Apple raus ist. Aber manchmal spielt einem das Leben halt nicht so mit, wie man es geplant hat.

Die Daten sind alle noch intakt. Nur an die Festplatte rankommen, dass ist nicht so einfach. Hab hier nämlich nicht wirklich das passende Werkzeug.

Ich wollte euch eigentlich auch nur Bescheid geben, dass ihr nun nur noch sehr selten von mir hören werdet. Dafür bin ich aber ja auch in nicht einmal 7 Wochen wieder zurück.

Somit machs gut.

Ich freu mich schon auf Euch alle.

Liebe Grüße Martin

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Long, long time ago …

10. Februar 2007

Ja ja, ich weiß. Lang ist es her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet hab. Und sogar meine Ausrede, es würde hier nichts mehr passieren, trifft nach dieser Woche nicht mehr zu.

Im Gegenteil. Ich hatte einige Probleme mit dem Auto. Am Dienstag hatte sich ob des kalten Wetters erstmal meine Batterie verabschiedet. Nach langen Hin- und Hertelefonieren ist es mir dann schließlich gelungen Tom, den Bruder von Jacek, für mein Vorhaben zu gewinnen. Er kam dann auch gleich mit Jaceks Jeep inkl. Überbrückungskabel um die Ecke. Nachdem alles angeschlossen war, wollte ich den Motor starten. Dies ging auch unmittelbar. Nur unmittelbar danach war es auch schon wieder vorbei. Bei diesem Wetter muss sich mein Motor immer erst ein bisschen warm laufen. Ist halt schon 20 Jahre alt. Das Problem war, dass dieser Überbrückungskram scheinbar so viel Saft gezogen hatte, dass daraufhin der Jeep von Jacek auch vollkommen leer gesaugt war, obwohl Tom noch vorher damit rumgefahren war.

Es blieb uns nichts anders übrig, als den AAA, der amerikanische ADAC, zu rufen. Ursprünglich 30min später angekündigt, traf der gute Herr mit seinem massigen Truck 1h später ein. Nur gut, dass wir die Zwischenzeit in unserem Apartment verbringen konnten.

Dieses große Auto konnte selbst mein Jeep nicht platt machen. So liefen nach kurzer Zeit beide Jeeps wieder. Nur dann kam der Hammer. Für die Überbrückungsaktion sollte ich $45 bezahlen, da ich kein Mitglied des AAA war. Tom war jedoch eines. Wir versuchten Towing Man zu überreden, das unter Service laufen zu lassen und anzugeben, dass nur Tom Starthilfe brauchte. Er war leider nicht umzustimmen. So musste ich zähneknirschend $45 berappen für einen Lappalie.

Viel größer wurde meine Wut, als ich daraufhin im Internet gesehen hatte, dass ich die AAA-Mitgliedschaft innerhalb von 10min direkt hätte abschließen können. Hätte ich das doch nur zwischenzeitlich erledigt. Mitglied wollte ich eh noch werden. Schließlich wollte ich noch wenigstens nach New York und Washington mit dem Jeep fahren.

Nichts desto trotz habe ich dann gleich meine Mitgliedschaft “AAA Basic” für $56 abgeschlossen. Ein ganzes Jahr für $56. Beliebig viele Starthilfen inklusive. Und einmal Starthilfe geben, obwohl der Kerl eh wegen Tom kommen musste, für $45. Das sind Relationen.

Und zwei Tage später, am Donnerstag, waren wir auf den Weg ins Ski-Ressort nach Wintergreen (vergleichbar mit Winterberg im Sauerland). Da passierte auch gleich das Nächste. Gerade waren wir aus Cville raus und wollten auf die Interstate abbringen, da verabschiedete sich mein Getriebe.

Den Wagen ausrollen lassen und auf den nächsten Parkplatz abstellen, war alles was ich tun konnte. Wir haben dann sogleich jemand aus dem Ski-Team angerufen. Meine drei Mitfahrer sind dann doch noch weggekommen, wenn auch beengt, ich wollte mich aber erstmal uns Auto kümmern. AAA anrufen ging nicht, da ich keine Nummer dabei hatte. Ich hatte zwar schon eine Bestätigungsmail erhalten, diese aber nicht ausgedruckt. Meine Mitgliedskarte kommt erst nächste Woche. So hab ich die Nummer meiner Versicherung angerufen. Die schickten mir auch gleich einen Abschleppwagen. Kurz bevor jener auftauchte, hatte ich aus Langeweile noch hier und da herumprobiert, bis ich schließlich den Vierradantrieb ausstellte. Siehe da, ich hatte wieder Vortrieb. Zwar nur in 2-Rad-Modus, aber immerhin. Nun ja, dem guten Herrn vom Abschleppdienst musste ich dann für sein Kommen $25 bezahlen. War zwar wieder ärgerlich, aber immerhin noch besser, als für jede Meile noch zusätzlich Gelb berappen zu müssen.

Ich hab den Jeep dann auch gleich zur Werkstatt unseres “Vertrauens” gebracht. Oder einfach, weil ich keine andere kannte und diese zudem gleich um die Ecke ist.

Die haben mich dann aber gleich weitergeschickt. Bei Getriebeproblemen würden sie sich nicht richtig auskennen. Ich sollte zu C&R Transmission fahren.

Die gaben mir für Freitag auch gleich einen Termin.

Um 11h den Wagen hingebracht. Ich hab auch direkt gesagt, sie sollten nur prüfen, ob das Getriebe noch einen Trip nach New York im 2-Rad-Modus überstehen würde. Wenn ich mich darauf einstelle, könnte ich auf den 4-Rad-Antrieb auch verzichten.

Um 13h klingelte mein Handy. Das Getriebe sei in einem äußerst schlechten Zustand. Ich hätte Glück, dass der Wagen überhaupt noch fährt. Und dann der Hammer. Ein neues Getriebe kostet $600. So wäre aus dem ursprünglichen Schnäppchen schnell ein Loch ohne Boden geworden. Sie boten mir dann aber ein gebrautes Teil inkl. Arbeitsstunden für $200 an. Nach kurzem Überlegen hab ich mich dann dafür entschieden.

Um 16:30 klingelte dann wieder mein Handy. Das Auto sei fertig. So schnell hatte ich damit nicht gerechnet. Zum Vergleich: Für unseren löchrigen Abgaskrümmer und die eingefrorene Handbremse hatte unsere erste Werkstatt 1 Woche gebraucht.

Zu meiner Überraschung musste ich dann auch “nur” $176 zahlen. Und der Wagen fährt jetzt viel ruhiger als vorher. Das ist das schöne an so einem alten Auto. Da merkt man sofort einen Unterschied nach einer Reparatur.

Tja, das war nun meine vergangene Woche kurz zusammengefasst.

Zudem hatte ich mir vor Kurzen eine Digicam gekauft.

Großzügigerweise hat mir Sebastian sein Flickr-Album zur Verfügung gestellt. Unter http://www.flickr.com/photos/sebkom findet ihr sein Album. Die 4 neuen Alben “Winterliche Impressionen”, “UVa-Miami Basketball” und “Cavalier Court +Apartment” entstammen aus meiner Feder.

Das war es fürs Erste. Nächste Woche um diese Zeit werd ich mich auf den Weg zum Flughafen nach Washington machen, um Deniz abzuholen. Dann gibt’s auch neue Fotos und Berichte. Versprochen.


Charlottesville Airport – geplanter Abflug: 11:00a

11. Dezember 2006

Ja, nun sitze ich hier am Flughafen von Charlottesville, in großer Erwartung ob der Reise nach München. Kaum am Gate angekommen, ereilt mich auch schon die frohe Kunde, dass unser Flieger mindestens 1h Verspätung haben wird. Was genau kaputt ist konnte ich nicht ganz verstehen, aber zumindest müssen die Leute von der Instandhaltung kommen. Ich hoffe mal, dass sich für mich keine größeren Schwierigkeiten daraus ergeben. Schließlich habe ich 4h Aufenthalt in Atlanta.

 

Soeben ist ein Mechaniker mit einer Malerleiter in eines der Triebwerke gekrochen. Das ganze wirkt sehr professionell.

 

So, ich habe mich nun damit abgefunden, dass ich meine 4h Zeit nicht am größten Flughafen der Welt verbringen werde, sondern die Zeit an einem kleinen Provinzflughafen verstreichen lasse. Anstatt große Einkaufs- und Erlebnismeile, erklingt hier nur leise etwas Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern. Dazu flaniert ein Marshall in kurzer Hose über das Rollfeld. Da kommt Weihnachtsstimmung auf. Das einzige Catering-Angebot sind 2 Colaautomaten und Kaffee in Thermoskannen. Und das nun 4h.

Ich überlege schon wieder aus dem Sicherheitsbereich zu gehen und Sebastian anzurufen. Plötzlich kommt einer der Marshalls auf mich zu und erklärt mir, ich solle raus zum Taxistand gehen, mein Gepäck aufnehmen und mit dem Taxi nach Richmond fahren, vor dort aus den Flug nach Atlanta nehmen und dann anschließend meinen Anschlussflug nach München. Das hat mir gerade noch gefehlt.

Kaum bin ich am Check-In-Schalter um mein Gepäck aufzunehmen und neue Flugtickets zu erhalten, erhallt über die Lautsprecher mein Name. Naja, mein Name ist vielleicht etwas weit hergeholt, aber Kühn oder KUEHN, wie auf den Tickets, ist dann doch eine Spur zu hart für das Bodenpersonal der Delta Connection. Ich verstehe gerade soviel, dass ich wieder mein Gepäck aufgeben soll, die alten Flugtickets bekommen soll und schleunigst zurück in den Sicherheitsbereich. Mein Flieger würde in 5min starten. Der nette Herr am Schalter versucht mich noch zu überzeugen, ich sollte weiterhin nach Richmond fahren. „Das sei sicherer!“ Da ertönt ein zweites Mal mein Name. Ich entschließe mich, nun doch den Flieger zu nehmen und mir den Stress mit Autofahrt und Flug von Richmond nach Atlanta zu ersparen.

Also noch mal der ganze Eiertanz an der Sicherheitskontrolle. Laptop raus, Jacke aus, Gürtel ab und Schuhe aus. Ja, Schuhe aus. Das ist hier so üblich.

 

Ich sitze nun im Flugzeug gen Atlanta und habe etwas Zeit die letzten 4 Monate Revue passieren zu lassen. Was haben wir in dieser Zeit gelernt.

 

Nun zu allererst einmal bleibt festzuhalten, dass ich mich als ziemlich schreibfaul herausgestellt habe. Bei einem Blick auf meinen Blog wird schnell ersichtlich, dass ich seit über 1 Monat keinen Beitrag mehr geschrieben hab. Ich könnte natürlich als Entschuldigung hervorbringen, keinerlei Momente erfahren zu haben, die derlei Kommentare bedurft hätten. Das wäre aber etwas zu einfach und ich will mir ja nichts vormachen. Immerhin habe ich das teilweise schon antizipieren können. Nicht umsonst ist der Untertitel „Eine unregelmäßige Berichterstattung meiner Erlebnisse in Charlottesville, VA.“ Das einzig Regelmäßige war, das ich ziemlich unregelmäßig geschrieben hab. Jedoch muss man auch ganz objektiv erwähnen, dass die letzten Wochen wirklich keine Abwechslung gebracht haben. Ich stand jeden Tag um 5:15h auf (außer Sa, 07:15 und So., >11:00h), hab mich angezogen, das Auto warmlaufen lassen und bin zu Rudertraining gefahren. Auch wenn es früh morgens war, so war es doch jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis vom Ruderboot aus den Sonnenaufgang zu genießen.

Danach ging es zur class oder noch mal kurz zurück ins Bett. Je nachdem wie mein Stundenplan war. Dann Hausaufgaben machen oder Paper schreiben, anschließend meist gegen 20:00 ins Fitnessstudio. Dort 1h mit Sebastian trainiert und anschließend in den Whirlpool und die Sauna. Um 22h raus, meist noch was gegessen, und schließlich um 0:00 wieder im Bett. Ja, das war mein Alltag. Ziemlich monoton, ich weiß. Daher wollte ich euch damit auch nicht langweilen. In der Hinsicht muss ich Sebastian auch großen Respekt zollen, der selbst aus kleinen Nichtigkeiten immer noch einen Blogeintrag zustande gebracht hat. Aber der will ja auch Journalist werden. Ich sollen Sphären denke ich ja gar nicht.     

 

Als zweites muss man resümieren, dass der Amerikaner grundsätzlich einer von zwei Gruppen angehören kann. Jetzt werden viele sagen: Na klar, Mann oder Frau. Diese Unterscheidung ist gar nicht mal so verfehlt. Zumindest haben hier viele Jungs/Männer ein ausgeprägtes Talent einfach nicht den Mund aufzukriegen. Nachdem alle Facts geklärt sind – Wie heißt du? Wo kommst du her? Wie lange bist du schon hier? Wie lange bleibst du noch? Gefällt es dir hier? – und man all diese Fragen zufrieden stellend beantwort hat, bleibt eigentlich nur noch eine Frage, die so ziemlich jedes Gespräch einleitet: „How YOU doing?“ Oder alternativ auch gerne verwandt. „How’s it going?“ Diese Frage stellt aber so ziemlich jeder Ami, wenn man ihm begegnet. Dabei interessiert er sich keineswegs für deinen Gefühlszustand. Regelrecht geschockt reagiert er, besteht deine Antwort nicht aus „I’m good“, „I’m fine“ oder „I’m ok“. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass diese Amerikaner eigentlich fast alle noch nie ihre Landesgrenzen hinter sich gelassen haben.

Im Gegensatz dazu habe ich aber zum Glück auch jede Menge Leute kennen gelernt, die die rosa-rote Brille abgenommen haben und sich wirklich für die Welt außerhalb der USA interessieren. Mit denen kann man sich unterhalten, Spaß haben und Party machen. Mit der zuvor beschriebenen Hälfte geht das leider nicht. Schade, dass auch mein Roommate Andrew zur erst genannten gehört.

 

Inzwischen bin ich bereits in Atlanta angekommen und auch schon 2h meiner insgesamt 4h Aufenthalt sind verstrichen. Ich war etwas enttäuscht, ob des doch schäbigen Flughafens. Hatte mir da deutlich mehr versprochen, was Duty-Free, Food Place, etc. betrifft. Nun sitze ich im Starbucks, trinke einen Strawberry Frappuccino und hämmere diese Zeilen in meinen Laptop ein.

 

Ob ich mich nachher aus dem Flugzeug noch melde, weiß ich noch nicht. Eigentlich glaube ich alles gesagt zu haben, was euch Nasen vielleicht interessieren könnte.

Ansonsten bleibt noch zu sagen, dass mich nun weniger als 12h vom deutschen Boden trennen und ich mich schon tierisch freue, Euch alle wieder zu sehen.


Die 5000m von Occoquan

17. Oktober 2006

Kurz vorweg: Mein Blog hat jetzt auch einen RSS-Feed (https://maddin83.wordpress.com/feed/). Jeder der sich damit auskennt ist also zukünftig up-to-date, ob ich wieder was hinzugefügt habe.

Ja, ich bin es schon wieder. Ihr wundert euch sicherlich, dass ich schon wieder schreibe. Der Grund: Es gibt was zu berichten. Nämlich unser tolles Ruderrennen über 5000m in Occoquan nähe Washington, DC.

Alles begann einen Tag vorher. David hatte bei sich zu einem inoffiziellen Oktoberfest geladen. Ursprünglich wollte ich das ja boykottieren. Oktoberfest im Oktober??? Wer hatte sich das nur wieder ausgedacht. Aber als David mir versicherte, es werde auch deutsches Bier vom Fass geben, konnte ich nicht widerstehen.

Ich hatte eigentlich geplant, nur bis 12 zu bleiben, damit ich am nächsten Tag für das Rennen ausgeschlafen bin. Wie das so ist. Die Party war viel besser als gedacht – die 1. Party hier überhaupt, die dieses Prädikat verdient – und ich torkelte erst um 4h sturzbesoffen nach Hause.

Für den nächsten Tag hatte ich mich um 9:30 mit 2 Teammitgliedern verabredet, die ich mitnehmen wollte. Wir sollten um spätestens 12:50 vor Ort sein, obgleich unser Rennen erst um 3:00 war, und bei einer Fahrzeit von 2.5h dachte ich, kann ein Puffer nicht schaden.

In weiser Voraussicht hatte ich bereits zu Anfang der Party meinen Wecker am Handy auf 8h gestellt. So etwas vergisst man ja gerne im Suff.

Als ich am nächsten Tag aufwachte, erschrak ich förmlich, als ich auf die Uhr blickte. 11:06. Ich hatte völlig verschlafen. Noch geschockt, hatte ich in aller Eile schnell meine Sachen gepackt, noch ne Banane als Energieriegel gegessen und meine Flasche mit Wasser aufgefüllt. Ich hatte vielleicht Kopfschmerzen. Noch schnell an der Tanke aufgetankt und mit Vollgas Richtung Occoquan.

Auf dem gesamten Weg hab ich so ziemlich jedes Tempolimit missachtet, wobei sich herausstellte, dass unser Jeep, wenn er erstmal richtig warm gefahren ist, durchaus 90mph (~145km/h) fahren kann. Das ist zwar 25mph über den zugelassenen 65mph auf der Interstate, aber auch alle Autos um mich herum sind diese Geschwindigkeit gefahren. Ich bin also nur mit dem Verkehr geschwommen, Mama. 😉 Und wir Deutschen sind ja eh ganz andere Geschwindigkeiten gewöhnt. Wenn einer damit umgehen kann, dann wir.

Gott segne die Autobahn!!!

Zwischenzeitlich musste ich jedoch auch die Interstate verlassen und überland fahren. Ich war regelrecht schockiert, wie zersiedelt das war. Man erkennt nur am Ortseingangsschild, dass man nun ein Ort befährt. Das Dorfzentrum bildet eine Tankstelle mit dem integrierten Supermarkt, die Kirchen – ja, so ziemlich jeder Ami hat seine eigene Religion -sind quer durch die Landschaften zerstreut, immer mal wieder tauchte eine Schule in völliger Einsamkeit auf, und die einzelnen Häuser standen zufällig und ohne jegliche Verbindung zueinander. Dabei ist das hier noch die dichtbesiedelte Ostküste. Ich möchte gar nicht wissen, wie das im mittleren Westen aussieht. Allein der Anblick hat mich depressiv gemacht. Kein soziales Leben, keine Gemeinschaft, kein gesellschaftlicher Zusammenhalt. Egal, was mir in meinem zukünftigen Leben noch blühen mag. So möchte ich nie nie nie wohnen. Da soll sich noch einer in Deutschland beschweren, bei uns würde die Zersiedelung einsetzen.

Wer meinen Weg verfolgen möchte, der folge diesem Link.

Auf der I-95 von Fredericksburg Richtung Washington, D.C. tauchte dann diese HOV-Lanes auf (HOV:=“High Occupancy Vehicle“). Das sind Fahrbahnen für Autos, in denen besonders viele Leute sitzen. Das ist die Lösung der Amerikaner dem Verkehrskollaps Herr zu werden. Bei Rush Hour können somit diejenigen, die eine Fahrgemeinschaft bilden, den Expressway nutzen. Da am Sonntag jedoch kein reger Verkehr war, waren die Spuren für den gesamten Verkehr geöffnet.

Nicht lange nachgedacht, bin ich schnell auf diese Spur. Was ich nicht wusste: Im weiteren Verlauf werden die Spuren baulich vom Rest getrennt. Es stellte sich weiterhin heraus, dass es zu diesen Spuren nur Zufahrten, jedoch keine Abfahrten gab. Es kam, was kommen musste. An mir flog die Ausfahrt „Occoquan“ vorbei. Erst 20 Meilen später, an einem Autobahnkreuz, hatte ich endlich die Möglichkeit von der Spur runter zu kommen und zu wenden. Was ich schon auf dem Hinweg gesehen hatte und was zur ganzen Situation passte. Auf dem Rückweg war STAU. Trotz all dieser Unzulänglichkeiten war ich nach 2.5h Fahrzeit endlich am Ziel. Google Maps hatte also keinen Blödsinn erzählt. Nicht auszurechnen, wie schnell ich ohne den ganzen Mist gewesen wäre.

Kaum war ich angekommen und hatte meine Klamotten gewechselt, durfte ich auch schon das Boot mit schultern, zum Wasser herunter tragen, einsteigen und zum Start rudern. Ich hab euch mal mit Hilfe von Google Maps eine kleine Übersicht erstellt (Einfach draufklicken).

Occoquan Rowing

Wer die interaktive Version haben möchte, bitte sehr. Allerdings dann ohne Beschriftung.
Es war ein herrlicher Tag zum Rudern. 20°C, Sonnenschein und dann diese tolle Natur. Einfach klasse.

Das Rennen selbst war eher unspektakulär. Es war gar kein Head-Race (Kopf-an-Kopf-Rennen), sondern lediglich ein Zeitrennen. D. h. ein Boot nach dem anderen startet in ~10s-Intervallen und am Ende wird die Zeit genommen. Wir sind dann während des Rennens in das Boot der Hopkins-Uni gefahren, weil deren Steuermann – es war in Wirklichkeit eine Steuerfrau – keine Augen im Kopf hatte und uns geschnitten hat. Ehrlicherweise muss man aber zugeben, dass auch unsere Steuerfrau bei dem Manöver keine gute Figur gemacht hat. Das beweist einmal mehr, dass Frauen nix am Steuer verloren haben. 😉 Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Namentlich sei hier Deniz erwähnt.

Nach dem Rennen ging das ganze Prozedere retour. Boot aus dem Wasser, zurück zum Anhänger schleppen, transportbereit machen, aufladen und ab dafür. Tja und dann konnten wir auch schon wieder nach Hause fahren.

Ehrlich gesagt fand ich die gesamte Aktion ziemlich überflüssig. 2.5h hin, 2.5h zurück, ein Rennen über 5k gefahren und das nur als Zeitrennen. Das hätten wir auch hier in C-ville machen können. Die Anderen aus dem Team meinten auch, ich hätte das genau richtig gemacht. Um 2h aufkreuzen, um 3h Rennen fahren und gleich danach zurück. Hätte nix verpasst und auch noch länger schlafen können.

Ich war echt froh, dass die Anderen das so gesehen haben. Hatte mir auf dem Hinweg schon Vorwürfe gemacht. Man ist schließlich ein Team, in dem man sich auf die Anderen verlassen möchte. Speziell für die 2, die ich eigentlich mitnehmen wollte, fand ich mein Verhalten ziemlich daneben. Die hatten zum Glück noch wen anderes zum Mitfahren gefunden. Nur Bryce war ziemlich angepisst. Werde wohl die nächste Woche beim Training nicht vom Ergometer runterkommen. Das ist immer Bryce Strafe.

Nach der Rückkehr war mein Sonntag auch schon fast besiegelt. Schon auf der Rückfahrt musste ich immer wieder aufpassen, dass mir die Augen nicht zufallen. Zu Hause angekommen, bin ich dann auch recht schnell ins Bett gegangen.

Was mir die Tage überdies bewusst geworden ist. Dadurch, dass ich mit dem Rudern erst hier angefangen habe und vorher nie mit der Fachterminologie in Kontakt kam, beherrsche ich jetzt die ganzen Ausdrücke auf Englisch, aber ich kenne kein deutsches Äquivalent. Ich habe mir auch schon mehrfach Gedanken über eine adäquate Übersetzung gemacht, aber keine Chance. Echt ein komisches Gefühl, dass man sich in einem Teil einer Fremdsprache besser auskennt als in der eigenen Sprache. Ist aber auch irgendwie schön. Es beweist zudem, dass es tatsächlich etwas bringt.

Dies möchte ich als Schlusswort nutzen. Wir sehen, hören, sprechen und lesen uns die Tage.

 

 


Blue Ridge Parkway

12. Oktober 2006

Es wurde in letzter Zeit etwas „Kritik“ laut, dass ich den Titel meines Blog allzu wörtlich nehmen würde. Nur so viel: Ich habe mit weiser Voraussicht diesen Titel gewählt. Schließlich kenne ich mich selbst gut genug und weiß, dass nach anfänglicher Euphorie für eine neue, aufregende Sache, meist eine kreative Pause folgt, die dann schließlich zu einem gesunden Maß konvergiert.

Zudem muss ich Euch mal fragen: Warum schreibt ihr kein Blog eurer Erlebnisse? Schließlich möchte ich ja auch an jenen Ereignissen teilhaben. Die Antwort ist so einfach, wie einleuchtend. Weil es „nur“ der allgemeine Alltag ist. So ist es hier aber auch. Für diejenigen, die schon mal so etwas wie einen Auslandsaufenthalt gemacht haben, wird das Gefühl sicher bekannt sein, dass sich nach ~6 Wochen kurzfristig einstellt. Man kommt mit der Erwartung, dass jeder Tag voller Überraschung und Action sein muss. Man ist ja im Ausland, wo alles völlig anders ist und es jeden Tag etwas Neues zu entdecken gibt.

Das mag vielleicht für einen Urlaub zutreffen, in dem man versucht, innerhalb der viel zu kurz wirkenden Zeit, alles mitzunehmen, was auch nur entfernt im „Lonely Planet“ oder auch dem Reiseführer eures Vertrauen Erwähnung findet.

Bei einem Aufenthalt ist das ganz anders. Man „lebt“ schließlich in dem jeweiligen Land und hat sich mit den Problemen des Alltags zu beschäftigen. Diese mögen vielleicht auch mannigfaltig erscheinen, jedoch sind sie eben so belanglos wie deutsche Alltagsprobleme.

Nach dieser kleinen Einführung nun zu meinem „Alltagsgeschehen“ 😉 Was ist seit dem letzten Mal passiert:

Ich habe gestern mein take-home-exam, sowie mein Paper abgegeben, weshalb ich überhaupt mal wieder Zeit finde, euch zu schreiben. Nun habe ich erstmal wieder etwas Freizeit.

Unser Auto ist durch die Inspektion geflogen. Ja, schöne Scheiße. Wir haben jetzt so einen tollen roten Aufkleber mit der Aufschrift „REJECTION“ kleben, dass auch jeder Polizist gleich sieht, dieses Auto ist nicht verkehrstüchtig.

Ehrlich gesagt. Ganz so schlimm ist es nicht. 2 der 3 angemerkten Probleme sind sehr einfach zu beheben.

  1. Das rechte Bremslicht hinten kaputt – kein großes Ding. Eben neue Birne gekauft und fertig
  2. Die Kabel unserer Handbremse sind eingefroren. Das ist vielleicht auch der Grund, warum die überhaupt nicht funktionier hat. Das sollte aber auch kein großes Problem für den Mechaniker darstellen.
  3. Dies ist dann doch etwas kniffliger. Unser Abgaskrümmer am linken Zylinderblock leckt. Ergo: Abgase können entweichen und werden nicht zum Auspuff geleitet. Diese können dann in die Fahrgaszelle gelangen, was Vergiftungsgefahr bedeutet. Wir fahren nun erstmal immer mit offenen Fenstern 😉

Als der Mechaniker anfing, mir die Probleme zu erklären, hatte ich das mit dem Abgaskrümmer nicht verstanden. Er erzählt immer was von „The manifold exhaust lecks“ und ich stand wie Ochs vorm Walde. Ich hatte wohl verstanden. dass irgendetwas mit dem Motor nicht stimmt. Ich dachte nur: Scheiß egal, wenn wir das Ding zu Tode fahren, ich will nur die Plakette. Ich fragte dann auch ganz stumpf, was das mit der Verkehrssicherheit zu tun hat. Es könnte ihm doch egal sein, wenn wir unser Auto zu Schrott fahren. Der Mechaniker bekam ganz große Augen und erzählte dann, dass es zur Vergiftung kommen könnte. Ich versuchte ihn dann noch zu überzeugen, dass wir das Auto eh nur für 8 Monate brauchen, wir es bei einer Autoauktion erstanden hatten … Aber darauf wollte er sich nicht einlassen. Er gab mir aber dann noch 2 Tips:

  1. Wir könnten das Auto in North Carolina oder Florida anmelden. Die hätten keine Inspektionspflicht. In Anbetracht der Dinge, die uns beim DMV widerfahren sind, wiegelte ich ganz schnell ab.
  2. Wir könnten die beiden anderen Sachen reparieren, denn „REJECTION“-Sticker abkratzen und es bei einer andern Werkstatt versuchen und hoffen, dass der Prüfer den Schaden nicht bemerkt. Allerdings sei das rechtliche Grauzone, wie er dann noch anfügte. Allerdings sei der Schaden für Versierte doch recht auffällig.

Wir fahren jetzt erstmal weiter durch die Gegend. 1 Woche Zeit haben wir noch von insgesamt 15 Tagen.

Dann stellte sich am Wochenende heraus. Es regnet rein. Nachdem es hier 3 Tage lang Bindfäden gegossen hat, war unsere halbe Decke nass und es tropfte von der Decke. Pragmatisch wie wir sind, haben wir uns eine große Tube Silikon gekauft und sind damit alle Fenster nachgefahren. Da weder Sebastian noch ich große Erfahrungen im Silikonen haben, sehen die Fugen nun dementsprechend aus. Ob es noch reinregnet? Das können wir leider noch nicht sagen. Dafür muss erst der nächste Härtetest kommen. Es hat zwar gestern ein wenig geregnet. Allerdings nur marginal, was den Test als nicht aussagekräftig kennzeichnet.

Bei der Silikonkur haben mich dann auch glatt mal 2 Wespen gestochen. Ich war zu faul, um nach oben auf Toilette zu gehen. Die Retourkutsche kam prompt. Im Busch muss ein Wespennest gewesen sein, so aggressiv, wie die waren. Danach durfte ich mich 3 Tage mit der Schwellung rumplagen, weil ich keine Zwiebel zur Hand hatte, um die Stiche akut zu behandeln. Die Schwellungen sind jetzt aber fast wieder weg.

Dafür *Trommelwirbel* hat unser Jeep jetzt endlich seine verdienten Nummernschilder bekommen:

Die Schilder können wir dann nach dem Aufenthalt auch als schönes Souvenir mit nach Hause nehmen.

Nach unser Silikon-Fix-Geschichte sind Sebastian dann noch in einen nahe gelegenden Nationalpark gefahren. Der „Blue Ridge Parkway“ mit dem „Skyline Drive“. Wir beide wußten gar nicht, dass wir unmittelbar neben einem Nationalpark wohnen. Nur 20min Fahrzeit von uns aus. Der ist aber so bekannt, dass selbst die SZ dazu eine Reportage gebracht hat.

Heute die beliebteste Straße der Nation, in den 1930er Jahren als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise gebaut für Vergnügungsfahrten, und dennoch auf geheimnisvolle Weise entrückt von der Welt herum.

Der Indian Summer oder die so genannte „Fall Foliage“-Saison beginnt in der Regel ab Anfang Oktober, die Laubfärbung hält meist bis Mitte November.
Dabei ist anzumerken, dass diese Straße tatsächlich nur gebaut wurde, damit der Durchschnittsami am Sonntag etwas mit seinem Auto machen kann. Ein Nationalpark, auf dessen Bergkuppen eine Straße verläuft und das Auto die einzige Möglichkeit ist, dies zu erschließen. So viel zum Umweltbewusstsein.

Da angeblich Anfang Oktober die beste Zeit ist, sind wird kurzentschlossen aufgebrochen. In C-ville schien die Sonne. Das die Berge jedoch bis zu 3500 ft. (~1200m) hoch sind, wußten wir nicht. Und in C-ville schien die Sonne, weil die ganze Suppe auf der anderen Seite hing. So sind wir die meiste Zeit durch Nebel gefahren und an den Aussichtsplattformen war auch nicht allzu viel zu sehen. Zudem war der „Indian Summer“ noch nicht weit genug fortgeschritten. Fast alle Bäume noch grün. Das ganze für $15/Auto.

Ich kann mir gut vorstellen, dass der ein oder andere Punkt am Rande der Straße durchaus einen Reiz bei entsprechenden Wetter und Laubfärbung hat. Bei uns leider kaum. Zudem gibt es auf der 150 Meilen (~240km) nur 2 Möglichkeiten zwischendurch den Skyline-Drive zu verlassen. Das meiste erstreckt sich also in einer monotonen Autofahrt durch Wald. Wenn ihr ein paar Fotos sehen wollt, dann empfehle ich euch das Flickr-Album von Sebastian.

Beim Rudern haben wir nun endlich damit begonnen zu 8 zu rudern. Die ersten Mal waren nicht gerade von Erfolg geprägt. Ich hatte ja bereits erwähnt, wie labil diese Boote sind.

Zum Glück hatten wir lange Zeit zumindest immer 1 Paar, das das Boot mittels der Ruder stabilisiert hat. So konnten sich 6 Leute auf das Erlernen der Technik konzentrieren und zudem gab es so immer zwischendurch eine Verschnaufpause. Man muss sich das ungefähr so wie beim Fahrradfahren vorstellen. Als wir das gelernt haben, sind die meisten von uns auch mit Stützrädern angefangen. Nachher haben dann Mama oder Papa am Sattel mitgeholfen, bis man schließlich ganz alleine fuhr. Die eine oder andere Schramme blieb da leider nicht aus. Wer erinnert sich nicht.

So. Nun stellt euch vor, die Stützräder sind weg, Mama und/oder Papa halten euch auch nicht mehr am Sattel und statt alleine sitzen noch 8 weitere Kinder auf dem Fahrrad. So ungefähr ist es in einem 8er zu rudern. Ihr könnt euch vorstellen, wie gut das am Anfang geklappt hat. Richtig, nämlich überhaupt nicht. Da rudert man schon 6 Wochen und denkt, das ganze sieht gut aus. Und dann fängt man fast von vorne wieder an. Alle müssen sich vollkommen in Phase bewegen. Alle zur gleichen Zeit Arme strecken, zur gleichen Zeit nach vorn beugen, zur gleichen Zeit die Knie anwinkeln, … Und das alles bei der gleichen Geschwindigkeit. Nur kleinste Abweichungen können das Gleichgewicht völlig zustören. Inzwischen muss ich auch den Rudermannschaften wirklich Respekt zollen. Deren Boote liegen so ruhig auf dem Wasser, alle bewegen sich völlig synchron. Man bekommt erst ein Gefühl dafür, wenn man es mal selber macht.

Inzwischen haben wir aber schon ganz ansehnliche Fortschritte gemacht. War man am Anfang damit beschäftigt, dass man sein Ruder überhaupt unter Kontrolle hat, so sind wir gestern schon ganz ordentlich 3000m gerudert.

Heute steht wieder Ergometer auf dem Plan. 2x5000m. *würg* Ehrlich. Ich freue mich jeden Tag aufs Rudern. Speziell, wenn Wetter wie heute ist. (Sonne, 20°C) Aber wenn ich Donnerstags schon aufwache, dann habe ich schon kein Bock mehr. Ich will schließlich aufs Wasser. Sonst könnte ich mich auch einfach auf die Ergometer in der Gym setzen. Aber da muss man durch. Für die Trainer ist es schließlich die einzige Möglichkeit, objektiv zu beurteilen, wie gut/schlecht jemand ist.

Am Wochenende haben wir unser erstes Rennen. In Occoquan, ca. 2.5h von hier entfernt. Davon werde ich natürlich detailliert berichten.

Da ich mich nun seelisch auf die 10km vorbereiten muss, werde ich hier erstmal wieder Schluss machen. Ich hoffe, dass der Text und die Fotos von Sebastian euren Sensationshunger vorläufig befriedigen. Ansonsten verbleibe ich mit:

Bis zum nächsten Mal 😛


Führerschein+Title+ Nummernschilder+Auto= Ankunft im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

22. September 2006

Führerschein

Nun, nachdem ich euch berichtet hatte, dass es sich hier nur um ein paar Wochen handelt, bis wir den Führerschein für Virginia haben, hat sich im Laufe der letzten 7 Tage hier einiges getan. Eigentlich darf man hier ja auch mit unserem deutschen Führerschein fahren. Nur, man darf hier nur ein Auto besitzen, wenn man einen Führerschein von Virginia hat…

Freitag, der 15.09.06
David ist mal wieder mit uns zum DMV (Department of Motor Vehicles) gefahren. Diesmal waren Sebastian und ich besser vorbereitet.

Bereits am Donnerstag hatten wir uns vom Meldebüro der Uni so genannte Transcripts (mehr oder weniger Zeugnisse) geholt. Das DMV hatte das als ordentlichen Nachweis des Aufenthaltortes verlangt. Schön im Briefumschlag, den wir auch nicht öffnen sollten. Des offiziellen Grads wegen. Ganze $5 hat uns das gekostet. Aber die netten Herren im „International Office“ hatten uns noch mal bestätigt, dass wir ohne Umschweife unseren Führerschein bekommen würden und nicht wie der Beamte am Tag zuvor erklärt hatte, erst in ein paar Wochen. Dafür, so dachten wir, sind $5 nicht zu viel. Als ich am Abend nach Hause kam, lag zudem ein Brief meiner Bank auf dem Schreibtisch. Zwar waren die $5 jetzt umsonst ausgeben, aber ich dachte, ein Beweis mehr kann ja nicht schaden.

Nun standen wir an einem der Schalter im DMV, um uns für die Fahrtests (Theorie & Praxis) anzumelden. Das ist nämlich der andere Weg, wenn man nicht all die Wochen warten möchte. Man macht einfach die Prüfungen, und kriegt, nach Bestehen der Beiden, seinen Führerschein direkt ausgehändigt.

Lustig ist, dass man die praktische Prüfung mit seinem eigenen PKW oder den eines Freundes, Familie, … machen muss. Also falls der Prüfer hier einen Suizidalfall als Prüfling hat, gute Nacht.
Beim Schalter stellte sich, nach Öffnen des Transcripts heraus, dass darauf gar nicht die Adresse ausgewiesen ist. Echt toll, $5 für nix. Sebastian war damit raus und hat sich auch gleich telefonisch beim Meldebüro beschwert. Ich hatte zum Glück auch noch das Schreiben der Uni dabei, was so seinen Dienst tat.

In der folgenden 1/2 h hab´ mir dann die Theorie versucht reinzupfeifen. Es blieb´ leider bei dem Versuch. Bin glatt durch die Theorie gefallen. Die 10 Fragen zu Schildern war kein Problem, die 25 Fragen zum allgemeinen Wissen dafür umso mehr. Was schätzt ihr? Wie viel Abstand muss man in den USA hinter einem Einsatzfahrzeug (Polizei, Feuerwehr, Rettungswagen) im Einsatz lassen? 100, 250, 300, oder 500 Feet? (1 Foot ~ 30cm; Anmerk. d. Red.) Es sind sage und schreibe 500Ft., also etwa 150m. Völlig lächerlich. Dann habe ich noch eine Frage falsch interpretiert. Mit „pass“ meint der Ami nicht „passieren“, sonder „überholen“. So habe ich letztlich geantwortet, man darf nur rechts überholen. Ziemlich dumm. Dann bin ich noch an einer Frage gescheitert, die ich als Student der Physik eigentlich im Schlaf beantworten müsste. Na ja, einmal zu viel nachgedacht, den Sachverhalt umgedreht und schon war auch diese Frage falsch. Ohne mich rausreden zu wollen, aber ich war schon ziemlich aufgeregt, dieses ganze Zeug nochmals zu durchleben.

Samstag

Am Samstag bin ich mit Jon zum DMV rausgefahren. Sebastian hatte immer noch nicht einen gültigen Beweis, dass er hier in Virginia lebt und David keine Zeit. Zudem wollten wir auch David nicht schon wieder bitten.

Am DMV angekommen, hing ein Schild an der Tür: „Wegen Computerproblemen können wir heute keine Führerscheine bearbeiten.“ Wieder umsonst hingefahren. Ich möchte hier mal erwähnen, dass das DMV auf der völlig anderen Seite der Stadt liegt und ohne Auto nicht zu erreichen ist. Wer hat sich das bloß ausgedacht. Ein Amt, bei dem man Führerschein und Nummernschilder bekommt, so zu legen, dass es ohne Auto unerreichbar ist.

Sonntag

Nein, am Sonntag war ich nicht beim DMV. Die Ämter haben auch hier wie in Deutschland geschlossen. Nur nebenbei, in Deutschland sind die ja auch noch am Samstag dicht und am Freitag zudem schon um die Mittagszeit geschlossen. Vorteil USA.

Ich hatte mich aber am Sonntagabend mit einem Spanier auf ein Bier getroffen. Der heißt „German“, also Deutscher. Echt geil. Er bot mir an, dass ich am Montag mit seinem Auto zum DMV fahren könnte. Um nicht wieder David oder Jon zu bitten, nahm ich sein Angebot dankend an.

Montag

Sebastian hatte den ganzen Tag Kurse. So bin ich alleine rausgefahren. Theorieprüfung bestanden. Dann kam die Praktische. Einmal um den Block gefahren (<5min), zurück zum DMV und Führerschein abholen, so dachte ich. Aber weit gefehlt. Meine Prüferin meinte, ich sei ein exzellenter und sehr sicherer Autofahrer. Ich hätte nur beim Herunterfahren vom Parkplatz des DMV einen Fehler gemacht. Ich hätte nicht komplett angehalten, sondern wäre nur langsamer gefahren. Also wieder das gute alte „STOP“ über das ich auch damals in Deutschland bei meiner 1. Prüfung gefahren bin. Ich hab´ dann noch versucht mit ihr zu diskutieren. Von wegen, ich würde doch schon 5 Jahre in Deutschland fahren, und außerdem hätte an der betroffenen Stelle doch gar kein STOP-Schild gestanden. Sie erklärte mir dann allerdings, dass man hier beim Herausfahren aus einer Hausauffahrt, Allee und Parkplatz, sowie beim Kreuzen eines Gehwegs (abgesenkter Bordsteig) immer komplett anhalten müsste. Somit bin ich hier sowohl einmal durch die Theorie als auch die Praxis gefallen. Eigentlich bescheuert, dass ich selber mit dem Auto zum DMV kommen durfte und nach nicht bestandener Prüfung auch wieder fahren durfte.

Dienstag

Sebastian und ich waren mal wieder beim DMV. Wieder mit Germans Auto. Und…?

Wir haben bestanden!!

Führerschein_1Führerschein_2

Keine Kommentare zu meiner Frisur 😉

Sebastian hat alles gleich in einem Rutsch erledigt, während ich 3 Anläufe brauchte. Schande über mein Haupt!!!

Egal. Ich habe auch in Deutschland 3 Anläufe gebraucht. Man erinnere sich hierbei an die skurrile Story, als uns (Michael und ich) Herr Wolpert nach der Chemie-LK-Klausur mit dem Prüfer im Schlepptau direkt vom Parkplatz unseres geliebten St.-Mauritz-Gymnasiums abholen wollte.

Mittwoch

Sebastian hegte gleich am Morgen Gedanken, wie wir den Tag mit dem Auto verbringen sollten. Ich war ein wenig pessimistischer. Ob der Tatsachen, die uns in einer Woche DMV widerfahren sind, sah ich den zukünftigen Angelegenheiten realistisch entgegen.

Nach dem mir David offiziell den Wagen überschrieben hatte, ging´s mal wieder zum glorreichen DMV. Abgesehen, dass wir über 1.5h warten mussten, verlief alles reibungslos, zu meiner eigenen Überraschung. Scheinbar erwirbt man mit dem Führerschein auch den Schlüssel, der einem alle zuvor verwährten Türen öffnet.

Also Title vom Auto auf meinen Namen überschrieben und gleich das Nummernschild bestellt. Eigentlich wollten wir diese Ausführung haben: License Plate Aber leider muss man dafür Mitglied der Freimaurer sein. So haben wir uns auf „GRMAN“ geeinigt. Vorläufig haben wir nun Schilder aus Pappe. In 2 Wochen soll ich dann die Schilder im Briefkasten haben. Davon gibt´s dann natürlich auch Fotos.

NUN SIND WIR IN AMERIKA ANGEKOMMEN!!!


Cavalier Weekly

15. September 2006

Ja ja, ich weiß es ist lange her, seit ich mich das letzte Mal hier verewigt habe. Aus gegebenen Anlass nenn´ ich diesen Beitrag auch „Cavalier Weekly“ in Anlehnung an unsere Unizeitung „Cavalier Daily“. Aber ehrlich gesagt, gab es kaum etwas zu berichten von den vergangenen Tagen. Außerdem wollte ich auf dem vielfachen Wunsch nach Fotos nachkommen. Hab gewartet und nun einige von Sebastian bekommen.

Zuerst wollte ich euch mein Bike vorstellen

sowie der kleine Weg, in dem es parkt.

Zur besseren Orientierung hab ich hier auch noch mal Hinweise eingefügt.
Ich hab mich inzwischen an die Farben gewöhnt. Nur der Lenker macht mich verrückt. Obwohl die Schraube so feste angezogen ist, wie nur irgend möglich, lässt er sich schön um seine Achse drehen. Wir haben auch schon versucht, es zu reparieren, indem wir zusätzliches Zeug dazwischen gepackt haben. Das hielt die ersten 2 Tag toll, dann fingen die Auflösungserscheinungen an. Nun es ist wie vorher. Aber egal…

Wenn ihr ein Eindruck davon bekommen wollt, wo mein Appartment liegt, einfach diesen Link anklicken: maps.google.com
Von den beiden horizontal liegenden Häusern mit braunem Dach, ist meins das nördlich Gelegene (oder einfach das Obere).

Was ist die letzten Tage aufregendes passiert?

RUDERN
Unser Rudertraining hat nun richtig angefangen. Sind seit Mo, 05.09., auf dem Wasser unterwegs. Jeden Tag schmerzen mich neue Körperregionen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich jene überhaupt besitze. Die letzten Tage plagen mich meine Oberschenkel (hier einfach nur Quads genannt; echt witzig, der gesamte Körper hat hier kaum umgangssprachliche Bezeichnungen. Die benutzen hier alle Begriffe, die bei uns nur medizinisches Personal gebraucht. Oder eben solche Abk.). Ich kann kaum die Treppen heruntergehen, und Sebastian sagt auch schon, dass ich ziemlich unrund laufe. Nichts desto trotz macht das Training wirklich viel Spaß und die Symbiose aus Wasser, Wald und Weiden erschädigt für entstehende Unannehmlichkeiten. Auf maps.google.com könnt ihr unseren Steg, sowie das Bootshaus sehen.

Inzwischen rudern wir schon zu 6 Leuten, 2 stabilisieren weiterhin das Boot. Diese Boote sind ausgesprochen labil, wanken ewig hin und her, und wenn die 2 Stabilisatoren ihren Job schlecht machen, kommt sofort aus dem Rhythmus. Bin mal gespannt, wie das zukünftig mit 8 Ruderen klappt.

Da wir insgesamt 4 Mannschaften haben, wovon jeweils 2 parallel trainieren, sind wir auch schon interne Rennen gefahren. Bei allen 3 Rennen saß ich im Siegerboot. 😉 Ob´s an mir lag??? Überlegt euch die Antwort selbst. Bei letzten Rennen waren wir sogar nur zu 6 im Boot. D.h. nur 4 Leute sind simultan gerudert. Die andere Mannschaft nach wie vor mit 8 Leuten im Boot. Dennoch gewonnen. Wir haben aber auch einen kleinen Vorsprung bekommen. Bryce, unser Trainer, meinte auch nachher, ob es vielleicht noch ein Vorteil sei, nur zu 6 zu rudern. Schließlich hat man deutlich weniger Gewicht an Bord. Und bei unser jetzigen Technik …

Kurzer Einschub:
Heute war der anstrengenste Tag von allen. Sind 2x3000m auf den Ergometern gerudert. Und die ganze Zeit Bryce und noch ein anderen im Nacken. Ständig am Pushen, am Anfeuern. Ich hab´ gedacht, gleich fällst du vom Erg.

FOOTBALL
Letzten Samstag war das 1. Heimspiel unser Cavaliers. Was Fußball bei uns ist (speziell während der WM) ist hier Football. Also eine riesen Party.
Als ich an jenem Samstag aufgewacht bin, war schon ein riesen Krach vom Stadionparkplatz zu vernehmen. Die Amis beginnen solch einen Football-Tag mit Tail-Gating (Tail=“Heck“ und Gate=“Tor“; sprich: Kofferraum). Die kommen schon früh morgens hier aus ganz Virginia angefahren, parken ihr Auto, öffnen den Kofferraum und fangen an zu grillen, Bier zu trinken, laut Musik zu hören, und alles weitere, was in ihren Augen einen Football-Tag angenehm gestaltet. Alle Leute hier rund ums Stadion vermieten zu diesem Zweck ihre Einfahrt, ihren Rasen und sonstige Flächen an die Ankömmlinge. Für $20-30. Hab´ auch schon überlegt, dass beim nächsten Mal zu machen. Schließlich wohne ich direkt neben dem Stadion (s. maps.google.com) und da ich eh kein Auto habe; wozu den Parkplatz verkommen lassen?

Hier mal ein Auszug der Eindrücke. Damit ihr euch etwas unter Tail-Gating vorstellen könnt.


Wie ihr sehen könnt, regnet es nicht ständig hier. Die Fotos von meinem Fahrrad sind zur Zeit Ernestos entstanden. Leider verabschiedet sich aber so langsam der Sommer hier. Musste auch schon den 1. Pullover tragen.

Da wir eh kein Auto haben und auch aus offensichtlichen Gründen kein Auto brauchen, um zum Spiel zu kommen, haben wir unsere eigene Tail-Gating-Party in Davids Appartment und auf dem Parkplatz davor gefeiert.

David (im ORANGE-FEVER-Shirt) und Austin beim Versuch ihre Digicam ans Laufen zu kommen. Sebastian war schneller.

Greg unser Grillmaster.

Erst hat sich David am Grillen versucht, aber aus den Würstchen wurden leider nur Kohlen. Fehlte wohl etwas Testosteron.

Und zu guter Letzt: Auf dem Weg zum Stadion!

Wie ihr vielleicht seht, tragen die Mädels alle Ballkleider beim Spiel. Das hat hier so Tradition. Eigentlich kommen die Männer auch mit Hemd und Krawatte. Die Mädels halten ihre Tradition jedoch deutlich höher, was mir ausgesprochen gut gefällt 😉

Am Stadion angekommen war die Hölle los. Das große Rund war zwar nicht ausverkauft aber immerhin waren wir 60.429 Leute.

Vorm Kick-Off spielt die Cavalier March Band die Nationalhymne

und dann kommen die Spieler mit allerlei Tamtam auf Spielfeld gerannt. Da es hier für so jede Situation eine Ausstellung gibt (Offense, Defense, Special Team, sowie für Offense und Defense eine 2 Line …) umfasst solch ein Team mit Trainern, Betreuern, Beratern, usw. um die 100 Mann. Da sind die Analytiker auf der Tribüne, die das Spiel analysieren und die Erkenntnisse per Funk nach unten geben, nicht mitgerecht. Alles sehr sehr technokratisch. Ich hoffe nicht, dass sich der Fußball in diese Richtung entwickelt, auch wenn ich den Videobeweis befürworte.

Und weil 100 Mann bei beiden Team nie und nimmer Platz auf einer Spielfeldseite finden würden, stehen sich halt an beiden Spielfeldseiten.

Das Spiel selbst war sehr von Defense geprägt. Ewig ist die Pflaume von der einen auf die andere Seite gewechselt, weil niemand 10 Yards bei 4 Versuchen herausschlagen konnte.

Wer sich für die Regeln interessiert, hier ein kurzer Abriss: Das angreifende Team bekommt 4 Versuche und 10 Yards Raumgewinn zu erzielen. Dies kann über das Passspiel als auch das Laufspiel (Rush) bewältigt werden. Schafft ein Team 10 Yards (~9.54m) oder mehr innerhalb der 4 Versuche, bekommt es 4 neue Versuche (1st Down genannt). Ziel ist es die Pflaume in die gegnerische Endzone zu tragen (Touch-Down). Die Defense versucht dies natürlich zu verhindern.
Für eine Touch-Down gibt es 6 Pkt.
Für ein Field-Goal gibt es 3 Pkt.
Wurde ein Touch-Down erzielt, erhält das erfolgreiche Team 1 weiteren Versuch, um entweder wieder einen Touch-Down (zusätzl. 3 Pkt.) oder ein Field-Goal (zusätzl. 1 Pkt) zu erzielen.
Zum ausführlichen Regelwerk empfehle ich www.wikipedia.de/wiki/American_Football.

Bei unserem Spiel stand es nach 4 Quarters á 15 min. 6-6. Jede Mannschaft hat lediglich 2 Field-Goals zustande bekommen. Echt kümmerlich.

Weil es hier nur Sieger und Verlierer gibt, aber kein Unentschieden, bedeutete das Overtime. In der Overtime bekommt jedes Team im Wechsel 4 Versuche, um von der 25-Yards-Linie zu punkten, bis ein Team weniger Punkte einheimst als das andere. Ähnlich dem Elfmeterschießen.

Die Wahoos starten direkt mit einem Touch-Down, gefolgt von einem Field-Goal. Ergo: 7 Pkt.
Und dann die Wyoming Cowboys. Im 4.Versuch gelingt ihnen mit einem Verlegenheitspass ihres Quarterbacks auch ein Touch-Down. Alles sofort: „Das gibt ne neue Runde!“
Aber dann verschießt der Kicker das Field-Goal. Eine Standardsituation, wie ein Elfmeter, wenn nicht sogar noch einfacher. Das ganze Stadion jubelt, der Kicker am Boden zerstört, aber die Cavs gehen mit 13-12 siegreich vom Feld.

Obwohl ich Football bisher nicht leiden konnte – mir fehlte immer der Spielfluss, andauernd werden die Mannschaften durchgewechselt und und und – muss ich wirklich sagen, ich war mit Herzblut dabei. Es raubt einem echt den letzten Nerv. Echt geil. Freu´ mich schon auf morgen. Dann gibt´s das nächste Heimspiel.

Car Auction
Bei diesem Titel könnt ihr euch sicher aller denken, worum es jetzt geht. Des Deutschen und des Amerikaners liebstes Kind: Das Auto.
Wie ich euch ja schon früher erzählt hatte, sind Sebastian und ich auf der Suche nach einem Auto.
So sind wir am Mittwochabend mit David zu einer Auktion gefahren. Der ganze Parkplatz des Autohändlers stand voll mit zu versteigernden Autos.
Nachdem wir mit unseren extremen Autokenntnissen die Spreu vom Weizen getrennt hatten – zumindest glaubten wir das-, notierten wir uns unsere Favoriten auf einem Zettel und schritten zur Auktionshalle.

Auch wenn man kein Interesse hat, ein Auto zu erwerben, so ist es doch sehr sehr lustig dem ganzen Prozedere zu folgen. Dies hat nix mit Sothersby oder Christie´s zu tun. Echt komische Gestalten wandeln da rum. Ein Junge (geschätzte 17 Jahre) war dabei, der ein Auto nach dem anderen gekauft hat. Ein anderer stand die ganze Zeit in der Ecke und hat nur mit dem Kopf genickt, wenn er das Angebot erhöhen wollte. Und unglaublich, für welche Dumping-Preise teilweise die Karren über den Tisch gingen. David hat zwischendurch der Hinterkopf gejuckt. Er hat sich aber nicht getraut, den Arm zu bewegen.

Der Auktionator war auch echt cool. Kaum ein Wort hat man verstanden.

Der wollte das bestehende Angebot innerhalb 1s mindestens 5-mal wiederholen. Dagegen schaut jeder MC schlecht aus.

Falls das Video nicht funktioniert, hier noch mal der Link: youtube.com

Aber um es kurz zu machen. Bei allen unseren Favoriten hatten wir keine Chance. Wir hatten uns ein Limit bis $1100 gesetzt, was wir auch strikt eingehalten haben, auch wenn ein Favorit dann schließlich für $1150 verkauft wurde. Ursprünglich waren wir auch gar nicht mit der Ambition gekommen, direkt ein Auto zu ersteigern. Wir wollten uns nur mal umgucken, dann am Wochenende noch mit einem Autohändler, ein Freund von Jon, besprechen und dann ggf. 1 Woche später bei der Auktion wieder aufkreuzen.

Dann kam dieses Auto:

Auf einmal fing Sebastian an mit zu bieten, obwohl das gar nicht abgemacht war. Angeblich hatte David ihn dazu ermuntert. Wir hatten abgesprochen, dass allein Sebastian bietet. Nicht das wir uns gegenseitig überbieten. Beim nächsten Gebot – $400 – hat dann Sebastian mich gefragt, ob er mitgehen soll. Nach kurzem Zögern willigte ich ein, wir wurden nicht mehr überboten und sind nun stolze „Besitzer“ eines Jeep Wagoneers.
-4×4 Allradantrieb
-Geländeuntersetzung
-elektrische Fensterheber
-Zentralverriegelung
-Klimaanlage
-CD-Radio
-V6-2.8L
und natürlich Automatik.
Man ist schließlich nur einmal in Amiland.

Das Auto, so wie wir es erworben haben, wird im Internet zwischen $1100-$2000 gehandelt und wir haben lediglich $450 dafür bezahlt ($400 Auktion + $50 Bearbeitungsgebühr).
David hat sich auf der Rückfahrt unglaublich aufgeregt, dass wir so verdammt viel Schwein hatten.

Ihr fragt euch jetzt sicher noch, warum ich „Besitzer“ in „“ schreibe. Nun, momentan ist David der Besitzer, da weder Sebastian noch ich einen gültigen Führerschein von Virginia haben.
Den wollte ich dann heute mir David beim DMV (Department of Motor Vehicles) besorgen, dann den Wagen auf mich umschreiben, die Nummernschilder mitnehmen – dafür haben Sebastian und ich uns was ganz besonders ausgedacht; aber dazu mehr, wenn es soweit ist -, Versicherung abschließen und dann „just cruising …“

Jetzt kommt das große ABER …
So viel Glück wir gestern hatten, so viel Pech ist uns (David und mir; Sebastian hatte heute Kurse) leider heute beim DMV widerfahren. Einen Führerschein bekommt man nur, wenn man bestätigen kann, dass man im Staate Virginia einen festen Wohnsitz hat.
Problem: Ich bin Untermieter, hab somit kein Mietvertrag, besitze keine SSN (Social Security Number) und hatte als Nachweis lediglich mein Scheckbuch dabei, auf dem meine Adresse steht. Das reichte dem lieben Officer leider nicht. Zudem teilte er uns mit, das es „a couple of weeks“ dauern wird, bis mein Führerschein vom Konsulat gegengeprüft ist und ich dann den Führerschein bekommen kann. So eine Scheiße. Nun hat man ein Auto, aber keine Erlaubnis, es zu fahren. Soviel zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das System hier funktioniert, keine Frage. Aber nur MIT Auto. So dürfen wir uns nun ein paar Wochen mehr zu dieser Randgruppe zählen, die kein Auto besitzt.
Wir werden nun morgen wieder zum DMV fahren und versuchen alle möglichen Hebel in Bewegung zu setzen, auf dass dies den Prozess beschleunigt. Drückt uns alle die Daumen.

Soviel erstmal auch C-ville. Wenn es Neuigkeiten zum Auto oder sonstiges gibt, werd ich wieder so eine Night-Session einlegen, um zu berichten.

Bis dahin…

Martin